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Home/Newscenter/Gordon Herberts große Frage zum Start der DBB-Vorbereitung: Welche zwölf Nationalspieler nimmt er mit zu den Olympischen Spielen?

Kochs NachschlagGordon Herberts große Frage zum Start der DBB-Vorbereitung: Welche zwölf Nationalspieler nimmt er mit zu den Olympischen Spielen?

05. Juli 2024

Ich habe mich umgehört, um herauszufinden, welches Thema, das meistdiskutierte in den Basketballkabinen unserer Republik ist. Tatsächlich wird vor und nach der körperlichen Betätigung unter den Körben am häufigsten über die Herrennationalmannschaft gesprochen und ganz explizit darüber, welche zwölf Spieler zu den Olympischen Spielen fahren sollten. Am Samstag präsentiert sich die DBB-Auswahl in Köln zum ersten Mal in diesem Sommer in einem Testspiel. Mit Frankreich werden die gut 18.000 Fans in der ausverkauften Arena nicht nur den Olympiagastgeber sehen, sondern auch eine Mannschaft, die – genauso wie die deutsche – Aussichten auf eine Medaille hat. Am Mittwoch zerstörte unser westlicher Nachbar die Türkei mit 96:46. Besonders im Fokus steht natürlich das Big-Men-Duo mit Victor Wembanyama und Rudy Gobert, womit wir schon bei der meistgestellten Frage bezüglich des Kaders von Gordon Herbert angelangt wären. Warum ist Isaiah Hartenstein (2,13 Meter, 113 Kilo) nach seiner großartigen Saison als vielseitiges Arbeitstier bei den New York Knicks nicht nominiert?

Dass Tibor Pleiß schon seit längerem in den Planungen des Verbandes keine Rolle mehr spielt, hat die Basketballgemeinde ebenso registriert wie das endgültige Nationalmannschaftsaus von Maxi Kleber nach den Querelen im vergangenen Sommer. Aber was ist mit Isaiah Hartenstein, der sich als 26-Jähriger im besten Alter befindet und gerade einen 87-Millionen-Dollar-Vertrag über drei Jahren unterschrieben hat?

Kontinuität und „Commitment“ 

Die Antwort ist relativ einfach. Der Bundestrainer setzt voll auf Kontinuität. Bereits bei seinem Amtsantritt stellte er klar, dass alle Spieler ihr „Commitment“ für die folgenden Sommer geben müssten. Das hat Hartenstein damals nicht getan. Zudem war die Mannschaft ohne ihn extrem erfolgreich und gewann nach EM-Bronze 2022 im letzten Jahr sogar sensationell den Weltmeistertitel. 

Natürlich verfügt der Linkshänder über eine extrem hohe Qualität. Aber für Herbert gilt, dass die Akteure, die auch für die beiden letzten großen Turniere zur Verfügung standen, absolute Priorität genießen. Aber selbst wenn der NBA-Profi dazugestoßen wäre, auf welchen seiner Bigs hätte der Bundestrainer verzichten sollen? Johannes Voigtmann, Johannes Thiemann, Daniel Theis und Moritz Wagner fungierten als tragende Säulen des Gebildes. 

Aus meiner Sicht sind sie genauso gesetzt wie Dennis Schröder, Maodo Lo, Andreas Obst, Isaac Bonga und Franz Wagner. Und Niels Giffey dürfte als quasi keine Fehler machender Veteran, der bereits alles erlebt hat (unter anderem zwei College-Meisterschaften), zumindest gute Karten haben, so dass für eine Veränderung im Vergleich zum WM-Aufgebot Justus Hollatz und David Krämer die ersten Streichkandidaten wären. Krämer hat zwar eine gute Saison in Spanien gespielt (10,2 Punkte), war aber bei der WM klar der zwölfte Mann. Hollatz musste sich nach seinem Wechsel zum europäischen Schwergewicht Anadolu Efes Istanbul mit einer kleinen Rolle zufriedengeben. Nick Weiler-Babb, der im EM-Kader stand, musste für die Weltmeisterschaften aus Verletzungsgründen absagen. Für mich ist der 28-Jährige ein heißer Anwärter für eine Rückkehr. Louis Olinde dürfte nur eine Chance haben, wenn sich Herbert gegen Giffey entscheidet.

Vier oder fünf Bigs?

Dann geht es noch um zwei Spieler, die beim Titelgewinn in Ostasien nicht dabei waren: Leon Kratzer und Oscar da Silva. Kratzer war wohl der Akteur, der vor der WM als letzter gestrichen wurde, und da Silva zeigte in der EM-Qualifikation vor allem beim 85:62-Sieg gegen Mazedonien, wozu er imstande ist (19 Punkte, sieben Rebounds, fünf Steals und vier Assists, Highlights). 

Aber es würde die grundsätzliche Chemie des Teams verändern, einen dieser beiden Spieler mitzunehmen. Wie ich bereits geschrieben habe, halte ich das Big-Men-Quartett der WM für unantastbar. Käme nun da Silva oder Kratzer in den Kader, hätten wir fünf statt bisher vier Optionen auf der Power-Forward und Center-Position. Das hieße, 80 Minuten Spielzeit müssten entsprechend aufgeteilt werden. Das ginge aber nur, wenn ein Akteur deutlich zurückstecken würde. Vielleicht könnte sich Kratzer mit einer solchen Rolle anfreunden. 

Aber auch wenn das der Fall wäre, würde es trotzdem schwerer fallen, die Small-Ball-Formation zum Einsatz zu bringen. Eine Aufstellung mit Franz Wagner, Giffey oder Bonga auf der Vier hat durchaus Charme und wurde auch in der Vergangenheit als taktische Variante eingesetzt. Bei der Entscheidung über vier oder fünf Big Men wird Herbert natürlich auch schauen, wie es nach nur drei Wochen nach den BBL-Finals um das Knie von Berlins Johannes Thiemann bestellt ist.

Kochs Nachschlag

Ich bin absolut sicher, dass der Bundestrainer die für sich und seinen Coaching-Stil beste Mannschaft nominieren wird. Aber mir fällt es schwer, moraltriefenden Aussagen etwas abzugewinnen. So habe ich (nicht von Gordon Herbert) gehört und gelesen, dass es „moralisch richtig“ sei, die zwölf Weltmeister auch mit zu den Olympischen Spielen zu nehmen. Warum? Es sollte das Team fahren, das die größten Erfolgsaussichten hat. Zudem ist Veränderung ein wichtiger Aspekt von und für Entwicklung. Dazu zählt auch (moderate) personelle Umgestaltung. Nach Paris dürfte aber ein größerer Umbruch eingeleitet werden, der auch dazu führen sollte, dass die Frage nach Hartenstein obsolet wird, da unter dem Herbert-Nachfolger die Karten neu gemischt werden.

Stefan Koch war zwei Jahrzehnte lang Headcoach in der ersten Liga und wurde 2000 und 2005 als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Er erreichte mit seinen Teams regelmäßig die Playoffs und trat sieben Mal im Europapokal an. Sechs Mal nahm er am TOP FOUR teil und gewann 2000 mit Frankfurt den Pokal. Zudem war der Hesse drei Mal Headcoach des All-Star-Games.

Koch arbeitet aktuell als Kommentator bei Dyn, war früher auch als Experte und Kommentator für SPORT1, Premiere, Sportdigital und MagentaSport tätig, sowie als Scout für die NBA. Seine Kolumne „Kochs Nachschlag“ findet sich bei uns regelmäßig hier im News-Center rechts unter der Rubrik "Kochs Nachschlag". Außerdem produziert er gemeinsam mit Oliver Dütschke im Zweiwochentakt den Podcast „Talkin‘ Basketball“, der auf allen gängigen Plattformen abrufbar ist.